Krisenheld

Das Zimmer zu klein,
Ewig Kreise ziehend,
Leer und Allein,
Ständig vor Gedanken fliehend.

Fenster verwaschen,
Draußen ferne Welt,
Einen Blick erhaschen,
So steht er da, ein Krisenheld.

Der Blick trocken,
Auf die Zahl der Toten,
Nichts kann mehr schocken,
Zu oft überboten.

Zukunft wird’s geben,
Irgendwie, irgendwann,
Wird er sie erleben,
Wann fängt sie an?

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Nebellaterne

Mystisch Nebel streifen,
Die Welt darin versinkt,
Verstand kann nicht begreifen,
Was sehnsüchtig dort singt.

Das Rätsel, das im Kommen,
Der Sinn der sich gezeigt,
Fern noch und verschwommen,
Weil er uns übersteigt.

Dort draußen in der Ferne,
Und doch dem Herzen nah,
Ein schwaches Licht, Laterne,
Im Nebel und doch klar.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Graue Weiten

Regentropfen fall’n ins Meer,
Werfen Wellen die vergehn,
Im Sturm der Grauen Weite,
Klamotten nass, vom Regen schwer,
Der Wind fegt von der Seite.

Wellen brechen, lautes Grollen,
Will Donner übertönen,
Die Symphonie voll Dunkelheit,
Lausch auf ihr furchtsam stöhnen.

Zerbrochen liegt hier alles da,
Tot auf den Strand geladen,
Im weinen, brausen tiefen Grau,
Sieh, wie groß der Schaden.

Die Seite Leer, das Dunkel nah,
Der Sturm gar hämisch lachet,
Das Dunkel da, doch Glaube hell,
Das dort doch jemand wachet.

Regentropfen fall’n ins Meer,
Werfen Wellen ihm zum Trotz,
Im Sturm der auch hat Ende,
Klamotten nass, von tiefer Wehr,
Gar hoffend auf die Wende.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Zimmer

Die Räume leer,
Frisch gestrichen,
Die Luft noch schwer,
Noch nicht entwichen.

Stapel aus Träumen,
In der Ecke abgestellt,
In viel zu vielen Räumen,
Von denen jeder schon zerfällt.
Friedlich fliegen die Gedanken,
Doch kehren hier nicht ein,
Ziele die im Dreck versanken,
Was ein Ort soll dieser sein?

Die Räume versunken,
Wände kalt geblieben,
Träume schon ertrunken,
Wirklichkeit zerieben.

© Niss-Jannes Jargstorff

Seelenhandel

Hunde bellen in der Ferne,
Autos rauschen schnell,
Einsam steht dort die Laterne,
Scheint ihr Licht so grell,
In die dunkle Nacht hinein,
Neimand möchte einsam sein.

Gesichter streifen schnell vorbei,
Namenlose Nichtgestalten,
Ihr Weg und Sinn doch einerlei,
Weil ihre Herzen schon erkalten,
Ob dies ein frohes Leben sei,
Das fragt sich niemand mehr,
Dafür drückt die Zeit zu sehr,
Hier in diesem Menschenmeer.

Bahntüren öffnen, schlagen zu,
Im Takt der Abendstunde,
Wo ist ihre einstig himmlisch Ruh,
Wann ging auch sie zugrunde,
Unter kaltem Streben,
Verkauft ist unser Leben.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Pixeltanz

Nur noch Pixel sehen,
Irgendwo am and’ren Ort,
Nicht mehr wirklich bei dir stehen,
Laptop zu und du bist fort.

Verloren in der Ferne,
Zwischen Webcamkonferenzen,
Säh wieder gerne, wie deine Augen wirklich glänzen,
Will wieder hören, wie deine Stimme freudig klingt,
Wie jeder Ton die Welt besingt,
Das Dunkel will zerstören.

Der Laptop aus, der Raum so leer,
Ein Spiegel meiner Seele,
Das alles liegt vor mir so schwer,
Ob dir ich auch wohl fehle?

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Grenzübertritt

An den Grenzen kratzen die Menschen,
Ab, an den Träumen, vorm Ziel.
Die Humanisten schauen betroffen,
Weg, der Anblick für Herzen zu viel.
Verzweiflung, Tränen der Trauer,
Geheuchelt, das Ergebnis gefiel.
So bleibt trotz Moral, die innig gedacht,
Aber tief nun gefallen, die Hand dabei agil,
Dem armen Menschen zu helfen dabei,
Zu sterben, das ist sein Exil.
Denn an den Grenzen regiert voll fülle,
Der Teufel und treibet sein Spiel,
Weil der Humanist und Europäer,
Der Lügner, dem blinden Neid verfiel.

© Niss-Jannes Jargstorff

Neonlicht

Neonlicht auf kalter Wand,
Bin allein geworden,
Ziellos schnell umhergerannt,
Schritte hallen leise.

Stumme Lautheit in der Gasse,
Leere in den kalten Herzen,
Weiß nicht warum ich alles hasse,
Stadt ist in mir eingezogen.

Menschenmassen ohne Ziel,
Planlos in die Nichtigkeit,
Weil ihn der Schein so gut gefiel,
Sind sie an ihm doch schon zerbrochen.

In Beton gepresste Schönheit,
Für ein still verarmdes Herz,
Träume fliegen nicht mehr weit,
In den dreckgen Straßenpfützen.

Keine Zeit und Rastlos hasten,
Sinn braucht wirklich niemand mehr,
Weil sie so ne Chance verpassten,
Zwischen Menschen, Eifer, Gier.

© Niss-Jannes Jargstorff