Krisenheld

Das Zimmer zu klein,
Ewig Kreise ziehend,
Leer und Allein,
Ständig vor Gedanken fliehend.

Fenster verwaschen,
Draußen ferne Welt,
Einen Blick erhaschen,
So steht er da, ein Krisenheld.

Der Blick trocken,
Auf die Zahl der Toten,
Nichts kann mehr schocken,
Zu oft überboten.

Zukunft wird’s geben,
Irgendwie, irgendwann,
Wird er sie erleben,
Wann fängt sie an?

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Seelenhandel

Hunde bellen in der Ferne,
Autos rauschen schnell,
Einsam steht dort die Laterne,
Scheint ihr Licht so grell,
In die dunkle Nacht hinein,
Neimand möchte einsam sein.

Gesichter streifen schnell vorbei,
Namenlose Nichtgestalten,
Ihr Weg und Sinn doch einerlei,
Weil ihre Herzen schon erkalten,
Ob dies ein frohes Leben sei,
Das fragt sich niemand mehr,
Dafür drückt die Zeit zu sehr,
Hier in diesem Menschenmeer.

Bahntüren öffnen, schlagen zu,
Im Takt der Abendstunde,
Wo ist ihre einstig himmlisch Ruh,
Wann ging auch sie zugrunde,
Unter kaltem Streben,
Verkauft ist unser Leben.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Pixeltanz

Nur noch Pixel sehen,
Irgendwo am and’ren Ort,
Nicht mehr wirklich bei dir stehen,
Laptop zu und du bist fort.

Verloren in der Ferne,
Zwischen Webcamkonferenzen,
Säh wieder gerne, wie deine Augen wirklich glänzen,
Will wieder hören, wie deine Stimme freudig klingt,
Wie jeder Ton die Welt besingt,
Das Dunkel will zerstören.

Der Laptop aus, der Raum so leer,
Ein Spiegel meiner Seele,
Das alles liegt vor mir so schwer,
Ob dir ich auch wohl fehle?

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Leerheitsdiener

Stille Straßen schweigen laut,
So voll von dir, die Leere,
Traurig kommt ein Windlein auf,
Ich blicke in die Ferne,
Seh dich dort stehn, verblasst im Tal,
Doch meine Augen trocken,
Die Sehnsucht führt ihr Schauspiel auf,
Mich kann sie nicht mehr locken.
Heraus aus meinem Jammertal, das an den Kitsch verloren,
Ich frage mich, merkst du es auch, dass ich für Tod geboren?
Ihr Gott erwacht im lauten Takt,
Von Arbeit und Maschinen,
Ihr Körper schon ganz abgewrackt,
Doch er muss weiter dienen,
Für diese Welt voll kalten Glanz,
Der auf Vernunft und Wachstum bauet,
Kein Quentchen wahrer Schönheit mehr,
Weil niemand nach ihm schauet.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Vogellieder

Vögel fliegen, blauer Himmel,
Straßen Schweigen leise,
Weg das leere Stadtgewimmel,
Der Kopf macht eine Reise.

Über Felder, Täler, grüne Wiesen,
Dort hinter seiner Fensterscheibe,
Wo jetzt Frühlingsblumen sprießen,
Auch, wenn ich zu Hause bleibe.

Erhaben kommt der Frühling,
Trotz aller Menscheitspein,
Kleines Vöglein fröhlich sing,
In diese Dunkelheit hinein.

Hoffnung lebt tief im Leben,
Das voller stärke neu erwacht,
Will uns wieder Sonne geben,
Hat sie mit dem Schmerz gebracht.

Sehnsucht treibt die Hoffnung auf,
Was darniederlag lebt anders neu,
So nimmt Frühling seinen Lauf,
Auch in Schreckenstagen treu.

Schatten fallen und vergehen,
Triebe sprießen, sterben wieder,
Doch der Frühling bleibt bestehen,
Singt ins Getümmel Hoffnungslieder.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Grenzübertritt

An den Grenzen kratzen die Menschen,
Ab, an den Träumen, vorm Ziel.
Die Humanisten schauen betroffen,
Weg, der Anblick für Herzen zu viel.
Verzweiflung, Tränen der Trauer,
Geheuchelt, das Ergebnis gefiel.
So bleibt trotz Moral, die innig gedacht,
Aber tief nun gefallen, die Hand dabei agil,
Dem armen Menschen zu helfen dabei,
Zu sterben, das ist sein Exil.
Denn an den Grenzen regiert voll fülle,
Der Teufel und treibet sein Spiel,
Weil der Humanist und Europäer,
Der Lügner, dem blinden Neid verfiel.

© Niss-Jannes Jargstorff