Leuchtfeuer

Nebelschwaden ziehen,
In Ferne übers Meer,
Leuchtfeuer hell brennen,
Sicht fällt dennoch schwer.

Was liegt dort tief verborgen,
Im Grau, Unendlichkeit,
Schluckt Farben, Ängste, Sorgen,
Von Weltlichkeit befreit.

Horch! Das Wehen dieser Ferne,
Ruft hin zum stillen Strand,
Dass man doch dorthin käme,
Und alles nun erkannt.

Es bäumt sich auf im Toben,
Die See so ungestüm,
Verschwommen unten oben,
Erwacht ein Ungetüm.

Das Herz kann es nicht Fassen,
Sinn wahnsinnig berauscht,
Steht still dort gleich verlassen,
Lausch wie das Meer leis rauscht.

Nebelschwaden ziehen,
In Ferne übers Meer,
Leuchtfeuer erloschen,
Sicht wog doch zu schwer.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Wortbruch

Worte in die Stille fallen,
Welt will treffend sprechen,
Zweifel hinterm Berg verhallen,
Sonnenstrahlen Dunkel brechen.

Im Fallen innehalten,
Welt wird umgedreht,
Ein Moment will Liebe walten,
Ein warmer Wind gen Hoffnung weht.

Schweigen ganz laut,
Erzählt wundervolle Dinge,
Das Herz gen Himmel schaut,
Wenn ich um die Worte ringe.

Zu wenig doch zu weit,
Was will ich denn sprechen,
Wacklig, doch bereit,
Schweigen zu brechen.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Abendhain

Abendwolken fliegen,
Rotes Licht erstrahlt,
Doch die Nacht wird siegen,
Der Tag von ihr zermahlt.

So will ich willig liegen,
Die Sterne glänzen sehn,
Das Dasein sich verstecket,
Die Lichter wollen gehn,
Wenn Dunkelheit bedecket,
Wind Träume will verwehn.

Der Tage schon gegangen,
Die Nacht langsam erwacht,
Sie wollen Herzen fangen,
Die Stunden dieser Pracht.

Spürst du schon das Verlangen,
Der weiten Haine fern,
Von dieser Welt gelegen,
Und doch in ihrem Kern,
So glänzed doch der Segen,
Des Vaters, Gottes, Herrn.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Abendode

Der Tag in die Nacht gesunken,
Grillen singen Freudentrunken,
In die kühle Nacht hinein,
Hier steht er nun so ganz allein,
Riecht die Nacht voll Trauer und Freude.

In der Ferne Sonne winkend,
Hinterm Berge Weite sinkend,
Stille fällt über die Welt,
Nur fern die Abdendglocke schellt,
Zum Tode des Tages und Einzug der Nacht.

Die Sterne schon helle prangen,
Als Vögel letzte Lieder sangen,
Nebel steigt auf behinderte Sicht,
Das Dunkel gekommen ins Tageslicht,
Die Welt in der Wende verglühendes Rot.

So steht der Wanderer dort,
Fern von jedem großen Ort,
Gefangen im Leben und Tode,
Bestanundend harmonisch die Ode,
Der Unendlichkeit kommend in Pracht,
Zwischen Tage und Nacht.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Schöpfungsnacht

Die Nacht kommt in der Stille,
Die Täler sinken tief,
Nur eine kleine Grille,
In dies Dunkel rief.

Die Sterne prangen oben,
Voll staunen steh ich da,
Will dies Spektakel loben,
Scheint gerade alles wahr.

Dunkelheit und Lichter,
Stille und Gesang,
Beklagter und der Richter,
So frei und doch Gefang’.

Schauer künden Weite,
In diesem Nachtmoment,
Damit ein Herz wegschreite,
Unendlichkeit erkennt.

Die Welt will sich verneigen,
Sie schwindet doch schon Ganz,
In lautem himmlisch Schweigen,
Erzählt sie Gottesglanz.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Ergriffene Unendlichkeit

Berge leuchten still bei Nacht,
Flüsse langsam rauschen,
Hab in der Stille nachgedacht,
Will ihr noch weiter lauschen.

Sterne funkeln treu, voll Licht,
Sind sie vielleicht vergangen,
Ergibt es Sinn oder auch nicht,
Ihr stilles, einsam prangen.

Grillen spielen Melodien,
Von Frohsinn und von Leben,
Die Wolken schnell vorüberziehn,
Wenn Herzen weiter streben.

Ein Harmonie steigt mystisch auf,
Vom Berge und vom Tale,
Sieh doch sie verweist darauf,
Auf das Universale.

In ihm erstehen Nichts und Sein,
Zur Harmonie der Stunde,
Es gibt kein Groß und auch kein klein,
Nur seine ewig Kunde,
Für diese ein’ Sekunde.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Schwarmluft

Abendstunden schwingen,
Die Nacht langsam erwacht,
Vögel fröhlich singen,
Haben Schönheit mitgebracht.

In dieser glänzend Stunde,
Möcht’ manch ein Mensch aufgeh’n,
Das Leben, fröhlichst Kunde,
Und doch muss es vergeh’n.

Die Nacht mit ihren Schwärmen,
Aus Zweifel, Hoffnung Mut,
Will schwärmend Herz erwärmen,
Spürst du schon ihre Glut.

Die Unendlichkeit fällt leise,
Auf Tal, Fluss und mach’ Haupt,
Dass man doch zu ihr Reise,
Dem Weltmoment entraubt.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Wahrstes Licht

Lichterglanz auf Stadt und Feld,
Dunkle Grotten warm erhellt,
Weil er sich in die Welt gestellt.

Sein Licht voll Güte einfach strahlt,
Hat Hoffnung in die Welt gemalt,
Wenn er für un’sre Schuld bezahlt.

Sterne strahlen, Engel singen,
Woll’n die Seinen zu ihm bringen,
Seine Botschaft soll erklingen.

Von Angst befreit, das Kind gesehen,
Woll’n sie noch an dem Kripplein stehen,
Will unsre Welt zur Hoffnung drehen.

So strahlt das Lichte dieser Nacht,
Das diese Welt wahr hell gemacht,
Indem es gar sich selbst gebracht.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Sinnliche Unendlichkeit

Auf der Suche nach Einheit,
Zwischen Licht und Leid,
Findest du Unendlichkeit.

Augen auf die Welt gerichtet,
Doch Blick ist gelichtet,
Hast du das darüber nur gesichtet.

In Harmonie alles aufgehoben,
Blicke zu ihr hin verschoben,
Während hier noch Widersprüche toben.

Sinn und Geschmack im Mund,
So tut er ihre Botschaft kund,
Macht die Welt über sich hinaus dann bunt.

Eine eigene Provinz gefunden,
Die so völlig ungebunden,
Musst sie nur erkunden.

Hast fragmentarisch sie erkannt,
Und schon ist sie verbrannt,
Hast dies Religion genannt.

(c) Niss-Jannes Jargstorff

Gedanken Schleiermachers